Geschichte
Im Jahr 1981 entstand in der Gropiusstadt der Gedanke, einen Raum zu schaffen, an dem Frauen sich ohne Zwang begegnen konnten. Die fehlende Infrastruktur in der neuen Großwohnsiedlung - der fehlende „Tante-Emma-Laden" an der Ecke und die Anonymität in den riesigen Mehrfamilienhäusern - hatte viele Frauen kontaktarm gemacht und einsam. Ein Treffpunkt war dringend notwendig.
Der Verein zur Förderung der Kommunikation unter Gropiusstädter Frauen - Frauen-Café Gropiusstadt e.V. wurde deshalb 1981 gegründet von mehreren Frauen, die sich aus verschiedenen Volkshochschulgruppen kannten (Stillgruppe, Trauergruppe, psychosoziale Gruppe). Die Frauen trafen sich in den Räumen des Gesundheitszentrums und es gab zuerst keine Finanzierung – daher war es nicht leicht, sieben Frauen zu finden, die bereit waren, dafür Verantwortung zu übernehmen. Viele waren Hausfrauen und damals noch nicht einmal daran gewöhnt, Unterschriften ohne die Zustimmung ihrer Männer zu leisten. Diese sieben Gründerinnen hatten den Mut: Karin Nowinski, Christa Chuda, Elisabeth Leers, Angela Meschkat, Heide Hammel, Cornelia Kling-Kirchner, Marita Klippel-Heidekrüge und Ingrid Claus Noto. Im Sommer 1982 wurde der neue Verein vorgestellt und erste Mitglieder angeworben.
Das Frauen-Café sollte Zufluchtsort für Frauen von 18 bis 80 Jahren sein, die Gesellschaft, Ansprache oder Unterstützung brauchten. Sie sollten sich dort mit oder ohne Kinder treffen können, Gespräche führen, gemeinsame Unternehmungen planen. Der nächste Schritt war dann, einen geeigneten Raum zu finden. Bei der Wohnungsgesellschaft GEHAG gab es ein leerstehendes Waschhaus am Löwensteinring 22, an der Karsenzeile, das der Verein mieten konnte. Zwei Frauen hatten Verbindungen zum Deutschen Jugendinstitut DJI und so gab es eine Anfangsfinanzierung für drei Jahre vom DJI aus München für Miete und Nebenkosten. Die Öffnungszeiten wurden von den Frauen ohne Bezahlung gewährleistet.
Die Gründerinnen machten das kahle Waschhaus in Eigenleistung zu einem gemütlichen Treffpunkt mit Teppichböden, Sitzecken, einem Küchenbereich mit Tisch und einer Kinderecke mit Spielzeug. Die feierliche Eröffnung des Frauen-Cafés war am 26.02.1983. Es hat dann eine Weile gedauert, bis mehr Frauen sich hinein getraut haben. Hinter vorgehaltener Hand wurde damals sogar gefragt „Was sind das für Frauen da - sind das Emanzen oder Lesben?“ Und so mancher Mann hat versucht seiner Frau zu verbieten, dort hinzugehen. Aber die Frauen kamen trotzdem und die Vorurteile schwanden schließlich.
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Beim Senator für Gesundheit Soziales und Familie wurde im Frühjahr 1983 dann der erste Antrag auf Projektförderung gestellt und auch bewilligt. Außerdem gab es eine Kooperationsvereinbarung mit dem Selbsthilfezentrum Lipschitzallee. Am 15.5.1983 konnte Brigitte Schulz als erste bezahlte Frau eingestellt werden. Viele Jahre kümmerte sich Ingeborg Strauch ehrenamtlich um die Buchführung. Danach übernahm Sylvia Stepprath erstmalig die Leitung, bis sie von Claudia Bürger abgelöst wurde, einer Sozialpädagogin, die Eltern-Kind-Gruppen und Hilfestellung bei gesundheitlichen, familiären oder finanziellen Problemen (heute Psychosoziale Beratung) anbieten konnte.
Es gab auch Gruppenangebote im neuen Frauen-Café, z.B. Seidenmalerei (damals sehr beliebt!), Vorträge zur Aromatherapie, zu Drogenmissbrauch oder zum Trotzverhalten von Kindern. Auch Erste-Hilfe-Kurse für typische Kinderunfälle wurden angeboten. Zu den Besucherinnen des Cafés gehörten Frauen aller Altersgruppen, Mütter und Frauen ohne Kinder, Verheiratete, Alleinstehende, Seniorinnen, Frauen unterschiedlichster Nationalitäten und Kulturen, Frauen aus dem Kiez und aus anderen Stadtteilen. „Im Süden Neuköllns sind wir ein Unikum", sagte Claudia Bürger damals. Dem Verein gehörten bald an die 130 Frauen an. Um an den Aktivitäten im Café teilzunehmen, war die Mitgliedschaft zwar erwünscht, aber keine Bedingung. Der Unkostenbeitrag von monatlich 2 D-Mark war so niedrig gehalten, damit auch sozialschwächere Frauen dem Verein angehören konnten. Auf Claudia Bürger folgte ab 2009 wieder Sylvia Stepprath als Leitung, die ja praktisch von Anfang an dabei war. Sie sorgte mit ihrer warmherzigen, mütterlichen Art dafür, dass das Café all die Jahre Bestand hatte und bei den Gropiusstädter Frauen eine zuverlässige Anlaufstelle war. Heute engagiert sie sich – längst in Rente – zusammen mit Petra Haumersen (ehemals Quartiersmanagement Gropiusstadt) ehrenamtlich im Vorstand.
1997 wurde das Frauen-Café zum ersten Mal runderneuert. Die alten Möbel wurden auf den Müll gebracht und die Räume in Eigenleistung renoviert und mit neuen Möbeln ausgestattet. Die Förderung übernahm damals der Bezirk Neukölln auf Jahre hin fest. In all diesen Jahren konnte sich das Frauen-Café so von einem Treffpunkt zu einem generationsübergreifenden Kommunikationszentrum entwickeln. Und trotz der auf der Hand liegenden Notwendigkeiten (Kinderarmut, Notwendigkeit für soziale Arbeit und Integration in Großsiedlungen, etc.) war die Finanzierung immer wieder unsicher.
Aktuell wird das Frauen-Café finanziert und unterstützt über Mittel aus der bezirklichen Frauenförderung, aus dem Städtebau-Förderprogramm „Sozialer Zusammenhalt“ und der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung.